Gruppenfahren

(Dieser Artikel stammt von unserem ehemaligen Mitglied Roland Kramer!)

 

Wichtige Kommandos

Ein effektives Windschattenfahren funktioniert nur, wenn man auch im Windschatten des Vordermanns bleibt. Dies bedeutet jedoch, dass die Sicht auf die Strecke stark eingeschränkt ist und erfordert ein „blindes“ Vertrauen zum jeweiligen Vordermann. Dessen Aufgabe ist es auf alle möglichen Gefahren hinzuweisen. Dieser Verantwortung für die gesamte Gruppe und die Umwelt muss sich jeder immer bewusst sein!

Um keine Zeit bei der Suche nach dem Bremshebel zu verlieren gilt stets eine goldene Regel:

Die Hände gehören nicht nur an den Lenker, sondern zwingend an die Bremsen

Ausführliche Hinweise zum Fahren in einer Gruppe gibt es in den Weiten des Internet viele. Um niemanden unnötig damit zu langweilen fasse ich hier nur die Kommandos zusammen, die sich in den letzten Jahren bei Ausfahrten bewährt haben. Deren Kenntnis und Befolgung ist für das unfallfreie Fahren in einer Gruppe als absolute Notwendigkeit anzusehen. Wer meint mehr angeschnauzt zu werden als Rad fahren zu dürfen irrt.

Sämtliche Kommandos werden per Handzeichen eindeutig angezeigt UND zusätzlich verbal – kurz, knapp, laut und verständlich – unterstützt. Sämtliche Kommandos werden von vorn nach hinten und umgekehrt weitergegeben!
Wildes Fuchteln mit den Händen und Brüllen unterschiedlichster Kommandos bringt nichts, sondern schadet. Radler, die die bei uns verwendeten Handzeichen nicht kennen, sollten uns ansprechen und werden entsprechend eingewiesen.
1. Kapitel – KOMMANDOS AUS DEM WIND

 links / rechts / geradeaus / Stop / frei / grüüüün / Reihe

 

Die Fahrer in vorderster Front (1. Reihe) geben folgende Kommandos:

RICHTUNG, (KEIN) STOP (Kreuzung, Ampel, Hindernis) und bestimmen die zu fahrende FORMATION.

 

RICHTUNG:
Anzeigen per Handzeichen (Arm links/rechts) und Zuruf („links/rechts“). Beim Anfahren eines Kreisverkehrs wird zudem die Richtung „geradeaus“ mitgeteilt.

 

STOP:
Anzeigen per Handzeichen (erhobener Arm) und Zuruf („STOP“). Die Fahrer der 1. Reihe entscheiden, ob an einer Ampel/Kreuzung gehalten wird. Eine auf „Gelb“ springende Ampel wird nach dem Zuruf „GRÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜN“ von ALLEN nachfolgenden Fahrern überfahren. In einer solchen Situation wäre das Bremsen von Einzelnen sehr gefährlich.

 

KEIN STOP:
Mit dem Kommando „FREI“ geben die Fahrer der 1. Reihe die Einfahrt in eine Kreuzung, Kreisverkehr usw. frei. Dieses Kommando darf nur erteilt werden, wenn davon auszugehen ist, dass die gesamte Gruppe ohne den Verkehr zu behindern folgen kann – also Vorsicht.

 

FORMATION:
In einer großen Gruppe wird in 2er Reihe gefahren und diese Formation stets beibehalten. Positionswechsel sind zu vermeiden. In Abhängigkeit der Strecke/Verkehr/Hindernis wird auf Zuruf („Reihe“) eine 1er Reihe gebildet.

 

2. Kapitel – KOMMANDOS AUS DEM SCHATTEN

 

Auto hinten / Kind vorn / Looooch / Weeeeelle / kürzer / Abriss / komplett


Sämtliche Fahrer im Feld geben folgende Kommandos:

Die Mitfahrer sind auf Hindernisse wie z.B. Kinder, Mitmenschen, Hunde, Krater im Boden, Autos, Radfahrer usw. per Handzeichen und verbal hinzuweisen. Es hat sich als hilfreich erwiesen neben der Art des Hindernisses die Richtung anzugeben aus der es sich nähert oder wo es sich befindet z.B. „Auto hinten“, „Hund vorn“, „Kind vorn“.

Um sich nicht ständig umdrehen zu müssen ist es für die Tempomacher deutlich von Vorteil, wenn von hinten mitgeteilt wird, ob das Tempo mit dem Kommando „kürzer“ verringert werden soll. Egal ob jemand eine Panne hat oder ob einfach nur die Luft wegbleibt, sollte sich niemand zu spät melden, sondern das Kommando zur Temporeduzierung rechtzeitig geben. Somit fährt das Feld kompakt umher und der Windschatten reißt nicht unnötig ab.

Das Kommando „komplett“ gibt den Tempomachern das Zeichen, dass die Gruppe beisammen ist.

Sollte man dennoch den Anschluss verlieren rettet einen das Kommando „Abriss“ und das Feld reduziert das Tempo. Bitte nicht zu spät Laut geben. Niemand möchte, dass jemand ein angeschlagenes Tempo nicht halten kann. Ziel ist es gemeinsam zu starten und gemeinsam anzukommen!

Am richtigen „Berg“ fährt jeder Fahrer sein eigenes Tempo, auf das Bremskommando hören die Beißer eh nicht, und auf dem Gipfel wird brav gewartet.

 

Straßenverkehr

Straßenverkehr – ist das ansteckend?

Ihr habt es sicherlich auch schon bemerkt. Auf Deutschlands Straßen ist man selten alleine unterwegs. Neben dem ruhenden Verkehr gibt es hin und wieder auch andere Verkehrsteilnehmer, die exakt dieselbe Verkehrsfläche einnehmen wollen, wie man selbst. Da hilft manchmal nur beten und hoffen, daß man im Zweifelsfall im Recht ist.

Als Radfahrer ist man ungeschützter als der motorisierte Verkehrsteilnehmer. Man hat dennoch teilweise die gleichen, teilweise andere Verkehrspflichten zu übernehmen. gegenseitige Rücksichtnahme ist in jedem Fall Pflicht. Man braucht zwar keine besondere Fahrerlaubnis, kann diese jedoch genauso wie ein Autofahrer verlieren. Hierzu reicht manchmal schon das Ignorieren roter Ampeln, die bekanntlich für alle gelten. Wer betrunken Rad fährt, dem kann der Führerschein entzogen werden. Als Richtwerte aus der Rechtsprechung können gelten: Bei Unfallbeteiligung ist der Führerschein ab 0,3 Promille weg, ohne Unfall ab 1,6 Promille. Außerdem wird eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung MPU fällig.

Auch hat man die Verkehrszeichen zu beachten. Für Rennradfahrer ist dies nicht immer angenehm. Schließlich gibt es böse blaue Schilder, die einem bedeuten, den Radweg zu benutzen, selbst wenn er dreckig oder schlecht befahrbar ist. Man muss es dennoch tun. Dies gilt auch für Amateure. Ausnahmeweise kann man es dennoch vermeiden, den Radweg zu benutzen, nämlich wenn es absolut unzumutbar (Menschentrauben, Rollsplitt, Scherben und parkende oder haltende Autos) ist, ihn zu befahren, wenn er weniger als 1,5 m Breite aufweist oder wenn man sich in Österreich befindet. Letzteres ist also auf NRW nicht anwendbar.

Was das Licht betrifft, so sollte man es als Rennradfahrer haben, wenn es dunkel wird. Ansonsten braucht man es nicht. Es sei denn, das neue und teure Plastikrad wiegt über 11 kg. Also vorher darüber nachdenken, inwieweit man meint, in den späten Abendstunden nach Hause kommen zu müssen. Besser etwas schneller fahren!

Wir fahren aber meist in der Gruppe. Also gilt zusätzlich folgendes:
Fahren mindestens 16 Radfahrer in einer Gruppe, können sie einen sog. geschlossenen Verband bilden (§ 27 Abs. 1 Satz 2 StVO, http://www.verkehrsportal.de/stvo/stvo_27.php ). Geschlossen ist ein Verband immer dann, wenn er für andere Verkehrsteilnehmer deutlich als solcher erkennbar ist (§ 27 Abs. 3 Satz 1 StVO). Bilden sich Lücken im Verband, so gilt er nicht mehr als geschlossen. Also immer schön Löcher stopfen und reintreten.

Zu beachten ist, dass der geschlossene Verband als ein einziger Verkehrsteilnehmer zählt. Fährt das Führungsfahrzeug berechtigterweise (z.B. wenn eine Ampel „grün“ zeigt) in die Kreuzung ein, darf der Rest des Verbands folgen, selbst wenn die Ampel mittlerweile auf „rot“ umgesprungen ist. Die nachfolgenden Fahrzeuge müssen also nicht ihrerseits Halte- oder Wartepflichten einhalten. Radfahrer dürfen im Verband auch zu zweit nebeneinander fahren. Ob sie auf der Fahrbahn auch dann fahren dürfen, wenn ein Radweg vorhanden ist, vermag ich nicht eindeutig zu sagen. Ich gehe jedoch davon aus, daß es erlaubt ist, die Fahrbahn zu benutzen, da es Verbänden laut Gesetz gestattet ist, zweireihig auf der Fahrbahn zu fahren. Eine Einschränkung wie z.B. „wenn es keinen Radweg gibt“ steht dort nicht.

Wird aber der Radweg benutzt, gelten die Radfahrer als Einzelpersonen. Allerdings ist das Fahren im geschlossenen Verband nur dort gestattet, wo der übrige Verkehr nicht behindert wird. Nötigenfalls muss der Verband in einer Reihe fahren.

Das Fahren als geschlossener Verband ist grundsätzlich nicht als übermäßige Straßenbenutzung anzusehen, so dass eine behördliche Genehmigung nicht erforderlich ist. Der Anführer des Verbandes (bei uns der/die Übungsleiter) hat dafür zu sorgen, dass die für geschlossene Verbände geltenden Vorschriften befolgt werden.

Wir treten aus gutem Grund mit einheitlichen Trikots auf. So ist man für andere Verkehrsteilnehmer und die Staatsmacht besser als Verband erkennbar. Auch wird das Fahren durch vermindertes Hupen („Die sind ja mehr als ich! Besser still sein.“) erleichtert und die Kommunikation mit Ordnungshütern entkrampft. Manchmal helfen eben kleine Gesten.

Wir halten uns selbstverständlich an oben beschriebene Verkehrsregeln. Gute Fahrt!

 

Teamleiter

Die bestimmten Teamleiter haben die Aufgabe die Gruppe sicher und bestimmt über die Straßen von NRW zu lenken! Die Aufgabe des Teamleiters (nachfolgend Chef genannt) ist der Gruppe klare Richtungs-, Geschwindigkeits- und Zeitangaben zu geben.

 

Wind und Windschatten

Keiner kann und wird vom Chef verlangen die Gruppe (ob Gruppe 1 oder 2 oder Radwanderer ist hierbei nebensächlich) die ganze Zeit im Wind zu führen. Daher hat der Chef die Berechtigung Protagonisten nach vorne zu ordern um der Gruppe Abwechslung durch Tempoveränderung zu verschaffen. Hierbei muss Niemand Angst vor der Position im Wind haben, da der Chef darauf achtet gleich starke Fahrer vorne zu haben und nicht Jeder die maximale Tempohärte auf Dauer aufbringen kann und muss. Es ist schon hilfreich, wenn sich nur zwei im Wind kämpfen und der Rest hinten dran hängen kann.

 

Richtungsangaben

Der Chef ist das Gesetz der Gruppe, quasi Legislative und Exekutive in einer Person. Das bedeutet dass der Ansage des Chefs klar und ohne Diskussion Folge geleistet wird. Der Sinn dahinter ist nicht die Profilierungssucht des Einzelnen sondern der Wunsch unfallfrei die Ausfahrt zu beenden. Die Kommandos links, rechts, geradeaus, STOP, GRÜÜÜN usw. werden vom Chef aus gegeben und nach hinten durchgereicht.

 

Gruppeneinteilung

Der Chef teilt die Gruppen beim Start ein. Sinn macht eine Ausfahrt nur wenn die Gruppen homogen in Quantität und Qualität zu einander stehen. Keine Angst vor Gruppe 1, der Chef kennt die Leistung des Einzelnen und wird die Gruppe daran anpassen. Das Tempo gibt der Schwächste an, wir fahren keine Ausscheidungsrennen. Aber bitte nicht beleidigt sein wenn die persönliche Leistung für eine Gruppe nicht ausreicht und das auch kommuniziert wird.

 

Schadensfall

Im Schadensfall übernimmt der Übungsleiter die Kommunikation mit den Beteiligten. Den Anweisungen des Chefs ist in diesem Fall ohne Einwände Folge zu leisten, dies hat versicherungstechnische Gründe.

 

Verweis

Da der Chef die Verantwortung für die Gruppe trägt, kann er die Mitfahrt in der Gruppe bestimmten Personen verneinen. Da er persönlich die Verantwortung trägt muss er hierzu keine Rechenschaft ablegen, da er seine Leistung freiwillig und unentgeltlich einbringt. Weiter kann er Mitfahrer bitten den nächsten Start ausfallen zu lassen, wenn sich Fahrer während der Ausfahrt auf dem Nachhauseweg ausklinken. Das Bierchen, oder Wasser oder Apfelschorle nach der Ausfahrt ist wichtig für den Zusammenhalt der Gruppe.

 

Abriss

Keiner geht in einer Ausfahrt verloren. Der Chef wird sich darum kümmern dass die Gruppe vom Anfang bis zum Ende komplett bleibt. Hilfreich hierbei ist das Weitergeben der Kommandos wie Komplett, Kürzer oder Abriss nach vorne.

 

Strafgelder

Jede Panne kostet Zeit und Material. Da man aber in der Gruppe unterwegs ist warten bis zu 30 Leute auf die Reparatur der Panne. Als Entschädigung und als Ansporn für Materialpflege kostet dies eine Pannenrunde von 10,- € oder Großzügigere geben allen Beteiligten der Gruppe ein Getränk aus. Handy klingelt? Dies ist in der Gruppe nicht drin, da Mitfahrer es für Ihr Telefon halten könnten und unachtsam werden, das Unfallrisiko steigt. Daher ist klingelndes Handy mit 5,- € Strafgeld belegt. Fliegende Trinkflaschen oder Luftpumpen sind auch eine Gefahr und werden vom Chef nach Absprache je nach Situation individuell veranschlagt!

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1 Kommentar

  1. Sehr guter Artikel und Hinweise was Sicherheit auf unseren Rädern betrifft !
    Hoffe wir halten uns a l l e daran und machen sie uns zu eigen.

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